Kriegsgräberstätte Pordoi: Die Totenburg hoch oben in den Dolomiten


Die Kriegsgräberstätte Pordoi in den Dolomiten wurde als Totenburg errichtet. Entsprechend der völkischen Ideologie der Nazis betont sie die Stärke der Gemeinschaft, in diesem Fall der Toten des Ersten Weltkriegs.

In 2239 Metern Höhe, inmitten der Bergwelt der Dolomiten, sitzt ein markanter Steinklotz. Ein Rundbau, massiv ausgeführt, dunkel. Kaum zu übersehen vom Gebirgspass Pordoijoch (ital. Passo Pordoi). Die Kriegsgräberstätte Pordoi ist ziemlich auffällig für einen Soldatenfriedhof.

Der Bau besteht aus drei Stufen. In der Mitte steht eine Rundmauer mit 30 Meter Durchmesser, aus der ein achteckiger Baukörper stößt. Darin befindet sich eine Krypta. 8.582 Gefallen des Ersten Weltkriegs – Österreicher und Deutsche – sind dort bestattet. Sie starben bei den Kämpfen im Gebirgskrieg oder an der Isonzo-Front. Außerhalb der Krypta ergänzt ein Erdring die Anlage. In Erdgräbern liegen dort 850 Gefallene aus dem Zweiten Weltkrieg. Eine Rundmauer mit 54 Meter Durchmesser schließt den Bau ab.

Wie eine mittelalterliche Burg

Die Kriegsgräberstätte wurden nach dem Konzept der Totenburg errichtet, das die Nationalsozialisten im Dritten Reich förderten. Die Architektur steht für eine Ideologie, die die wehrhafte Volksgemeinschaft über das Individuum stellt.

Als Vorbild dienen mittelalterliche Wehrbauten. Hinzukommen Elemente von christlichen Sakralbauten wie etwa die Krypta. Der schmale Eingang und die abweisenden Mauern betonten die Stärke der Friedhofsanlage, zwingt Besucher aber auch, der Gemeinschaft der Toten als Individuum entgegenzutreten.

Einblick in die Nazi-Gedankenwelt

Robert Tischler, von 1926 bis 1959 Chefarchitekt des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge und seit 1932 NSDAP-Mitglied, entwickelte das Totenburg-Konzept Ender der 1920er-Jahre für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. In den 1930ern errichtete der Volksbund vereinzelt Totenburgen in Europa.

Die Bauarbeiten für den Friedhof am Pardoijoch begannen 1937. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie eingestellt. Zwischen 1956 und 1959 wurde die Anlage fertiggestellt. Die Kriegsgräberstätte Pordoi erinnert an die Toten der Weltkriege. Gleichzeitig gibt der Bau heutzutage einen Einblick in die völkische Ideologie der Nationalsozialisten.


Bewertung

Erlebnis: ★★★☆☆

Atmosphäre: ★★★★★

Geschichtsfaktor: ★★★★★

Landschaft: ★★★★★

Abgeschiedenheit: ★★★★☆

Abenteuer: ★★☆☆☆


Besichtigung

Vom Parkplatz zur Kriegsgräberstätte Pordoi:

Strecke (einfach): 250 Meter

Dauer (Fußweg): 5 Minuten

Kondition: –

Schwierigkeit: –

Gefahren: –

Beste Jahreszeit: Sommer-Halbjahr, Krypta in restlicher Zeit geschlossen



Wegbeschreibung

Anreise: Am Passo Pordoi (in der Nähe liegt der Ort Canazei), der Beschilderung zur Kriegsgräberstätte für 1,4 Kilometer folgen bis zum Parkplatz.

Start und Ziel: Parkplatz

Weg: selbsterklärend

Hinweise: Auf dem Pordoijoch befindet sich ein Museum zum Ersten Weltkrieg.


Weitere Informationen

Stand: 20.10.2020