Via ferrata delle Trincee: Klettersteig entlang alter Kriegsstellungen


Auf dem Padonkamm in den Dolomiten tobten im Ersten Weltkrieg blutige Kämpfe. Die Via Ferrata delle Trincee führt entlang der früheren Stellungen. Dies ist landschaftlich und historisch spannend.

Die Aussicht vom Padonkamm ist spektakulär: Die Nordwand der Marmolata zeigt sich in ihrer ganzen Breite. Einst war diese Seite von einem mächtigen Gletscher bedeckt. Inzwischen hat er viel seiner Größe eingebüßt. Verschwunden ist damit auch ein Stück Geschichte.

Die 3343 Meter hohe Marmolata war einst ein Schlachtfeld, auf dem sich Italiener und Österreicher im Ersten Weltkrieg bekriegten. Beide Parteien hatten dort ihre Stellungen. Weil die Italiener die österreichischen Linien einsehen und beschießen konnten, nutzten die k.u.k.-Truppen den Gletscher als Schutz. Sie trieben Tunnel in das Eis. Mit der Zeit entstand eine Stadt im Gletscher.

Krieg in den Bergen

Diese Episode des Gebirgskriegs von 1915 bis 1918 kommt einem in den Sinn, während man auf der parallel verlaufenden Bergkette klettert. Auf dem Padonkamm verläuft der häufig begangene Schützengraben-Klettersteig (italienisch: Via Ferrata delle Trincee). Auf der dreistündigen Tour bekommt man die Marmolata stets von ihrer eindrücklichsten Seite zu Gesicht.

Der Name des Klettersteigs ist kein Zufall. Der Erste Weltkrieg tobte auch dort. Die Frontlinie, die die Marmolata durchschnitt, trennte die Kontrahenten auch auf dem Padonkamm. Daher auch hier: Stellungen wurden angelegt, Kavernen gebohrt und Gebäude errichtet sowie Seilbahnen eingerichtet. In dieser Zeit wurden die heutzutage beliebten Klettersteige erfunden.

300 Meter langer Stollen

Die Via Ferrata delle Trincee verläuft vom Berg Mesola (2727m) zunächst entlang der österreichischen Linien. Kletterer passieren mehrere Kavernen und eine rekonstruierte Hängebrücke. Zahlreiche alte Holzbretter verraten, wo einst Barracken gestanden haben müssen. In den noch sichtbaren quadratischen Einkerbungen, mitten in die Steilwände gehämmert, waren Stützbalken angebracht.

Vermutlich auf dem halben Weg der Klettertour wird die frühere Frontlinie überschritten. Dies lässt sich nicht genau feststellen. Jedenfalls bekommt man auf der italienischen Seite viele Häuserruinen zu Gesicht, die mit Tunneln verbunden sind. Auf dem weiteren Weg verläuft der Steig durch zwei Stollen. Der letzte Tunnel ist 300 Meter lang. Er endet am Fuß des Bergs Mesolina (2642m), auf dem die Alpini einen Scheinwerfer positioniert hatten. Sie konnten von dort den Col die Lana anstrahlen – und hatten natürlich auch stets die Marmolata im Blick.


Bewertung

Erlebnis: ★★★★★

Atmosphäre: ★★★★★

Geschichtsfaktor: ★★★☆☆

Landschaft: ★★★★★

Abgeschiedenheit: ★★★★☆

Abenteuer: ★★★★★


Besichtigung

Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Klettersteig zu begehen. Es bietet sich ein Start sowohl von Arabba als auch vom Lago di Fedaia an. Der hier vorgestellte Weg, dürfte die kürzeste Variante sein. Dafür nimmt man die Seilbahn von Arabba und fährt bis Portavescovo (2478m). Von dort sind es 15 Minuten Fußweg bis zum Einstieg in den Klettersteig.

Strecke (Rundtour): 6 Kilometer (700 Höhenmeter)

Dauer (Fußweg): 5 Stunden

Kondition: mittel

Schwierigkeit: sehr gut gesicherter Klettersteig (Schlüsselstelle C/D, meist um B)

Gefahren: Achtung, Lebensgefahr! Diese Tour erfordert Erfahrung im Klettersteiggehen, vollständige Klettersteig-Ausrüstung zwingend notwendig, genauso eine Taschenlampe.

Beste Jahreszeit: Juni bis Oktober (abhängig vom Wetter)



Wegbeschreibung

Anreise: In Arabba an der Seilbahn (“Porta Vescovo Dolomiti Resort“) parken, dort die Bahn nach Porta Vescovo nehmen.

Start und Ziel: Bergstation Porta Vescovo

Weg: Dem ausgeschilderten Weg 15 Gehminuten in östlicher Richtung folgen. Dann beginnt der Klettersteig mit der Schlüsselstelle. Dem Steig immer folgen (idealerweise Topografie-Karte mitnehmen). Er endet schließlich am Schutzhäuschen Bivacco Bontadini. Dann über einen Normalweg zurück zur Bergstation (siehe “Weitere Informationen”).

Hinweise: Taschenlampe nicht vergessen.


Weitere Informationen

Stand: 11.10.2020